Holzmindens ulkigste Sehenswürdigkeit – Der Umfahrstein

Holzminden, die Stadt der Düfte und Aromen, erlangt aktuell deutschlandweit auf skurrile Weise Bekanntheit. Es ist ein zunächst unscheinbar wirkender Gesteinsblock, der Autofahrer:innen magisch in seinen Bann zieht und dadurch für Schlagzeilen im Internet und Fernsehen sorgt. Von den Anwohner:innen wurde er deshalb liebevoll zum Umfahrstein ernannt.

Ein klobiger Rotsandstein ziert die Johannisstrasse in der Holzmindener Innenstadt. Errichtet wurde er von der Stadt Holzminden mit dem Ziel, Passant:innen vor dem angrenzenden Straßenverkehr zu schützen. Tatsächlich ist die steinige Abgrenzung von Fußweg und Fahrspur jedoch immer wieder in Auffahrunfälle verwickelt. Da der Stein dabei regelmäßig in Mitleidenschaft gezogen wird, ist er unter Holzmindener:innen nur noch als Umfahrstein bekannt.
Doch wie kommt es dazu, dass Holzminden derzeit überregional nicht seines aromatischen Mottos getreu, sondern aufgrund des Umfahrsteins an Popularität gewinnt? Das liegt vor allem an der großen medialen Faszination, die der Stein auslöst. So wurden im November für Brisant, Echt jetzt?! – mit Ilka Bessin und Extra 3 humoristische Beiträge über den Umfahrstein abgedreht. Auch im Internet erfreut er sich großer Beliebtheit. Der Umfahrstein besitzt beispielsweise eine eigene Website, auf der Fotos seiner Missgeschicke geteilt und Rezensionen hinterlassen werden können. Zudem wurde er auf Google bereits scherzhaft zur historischen Sehenswürdigkeit ernannt. Den Holzmindener Fatmir Zenunaj veranlasste die Magie, die den ulkigen Gesteinsblock umgibt, zudem zum Märchengedicht „Der Umfahrstein“ aus Holzminden. Darin bewohnt ein arglistiger Troll den Stein, der versucht Entlangkommende in einen Unfall zu verwickeln in der Hoffnung aus dem Stein entfliehen zu können.
Auch, wenn sich die Stadt über die durch den Umfahrstein neu errungene Bekanntheit freut, versucht sie natürlich weitere Auffahrunfälle zu vermeiden. Leider verliefen alle  bisher in Angriff genommenen Maßnahmen im Sande. Nicht einmal Reflektoren führten zu einer nennenswerten Besserung, da die Anziehungskraft des Rotsandsteins auf Autofahrer:innen unermesslich erscheint.
Seit kurzem schmückt den den Umfahrstein zusätzlich der Umriss eines Mannes mit hohem Hut. Der Holzimist, abgeleitet vom Holzmindener Optimist, bezeichnet die seit November letzten Jahres hinter dem Stein emporragende Figur. Sie verschafft dem Umfahrstein zusätzliche Aufmerksamkeit mit kreativer Gestaltung. Wer wirklich hinter dem Holzimisten steckt, bleibt rätselhaft. Der Holzimist hat allerdings eine eigene Facebookseite, auf der er mit Fans und Interessierten kommuniziert.
Ob der Holzimist es schafft den Umfahrstein endlich vor Auffahrunfällen zu schützen bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass sich der Umfahrstein schon jetzt unbeabsichtigter Weise zum ulkigsten Wahrzeichen Holzmindens entwickelt hat und sich ein Besuch des mystischen Umfahrsteins für Anwohner:innen und Besucher:innen lohnt. Vielleicht können Sie bei einer Besichtigung ja sogar der Stimme des Schabernack treibenden Trolls lauschen.