Neuerwerbungen Fachliteratur

Das in der Bibliothek des Stadtarchivs vorhandene Schriftgut ist inzwischen weitgehend vollständig im Niedersächsischen Archivinformationssystem ARCINSYS erfasst und damit allgemein recherchierbar. Um allerdings auf jüngste Zugänge besonders hinzuweisen, sollen künftig je nach Bedarf an dieser Stelle kurze Listen die entsprechenden Titel nennen:

 

Bauwelt 109 (2018), Nr. 9 [darin betr. Kloster Amelungsborn S. 30-35 Lignow, Anna-Lisa (Text; Fotos: Dorfmüller Klier): Dachreiter für die Ewigkeit]

Signatur Archivbibliothek: 6/A/1440

 

Borek, Richard: Die Geschichte der Familie Richard Borek. Band 5: Die Familie Lambrecht in Holzminden, Bardorf, Jerxheim und Helmstedt. Die Familie Pigge in Hildesheim und Bodenwerder. Der Artikel über die Familie Lambrecht stammt zum größten Teil von Rolf Volkmann. Braunschweig: Richard Borek, 1981

Signatur Archivbibliothek: 7/LAM/7150

 

Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte 100 (2019)

Signatur Archivbibliothek: 3/A/0020

 

Eisenbahn-Kurier 54 (2019), H. 12 [darin S. 36-40 Menzel, Mario: Durch Höhen und Tiefen im Weserbergland: Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn]

Signatur Archivbibliothek: 2/H/8339

 

Gesellschaft der Freunde junger Kunst: GFIK. 26.9.2019-30.8.2020: Hofer, Klee, Feininger, Heckel, Pechstein, Beckmann, Kirchner, Liebermann, Modersohn-Becker, Felixmüller, Gleichmann, Henninger, Jahns, Kaus, Kokoschka, Löhr, Maatsch, Mohr, Mueller, Münter, Nolde, von König, Wilke, u.a. (Texte u. Recherchen: Meike Buck, Ulrike Sbresny u. Bernd Wedemeyer). Braunschweig: Stiftung Residenzschloss Braunschweig, 2019

Signatur Archivbibliothek: 3/I/4460

 

Kleene, Heinz: Über Mannsbilder und Kameraden - Zum Kriegervereinswesen im Emsland zur Zeit der Weimarer Republik (Studien und Quellen zur Geschichte des Emslandes und der Grafschaft Bentheim, 4). Haselünne: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, 2020

Signatur Archivbibliothek: 2/E/8365

 

Koch, Fr[iedrich] C[arl] L[udwig] u. W[ilhelm] Dunker: Beiträge zur Kenntniss des norddeutschen Oolithgebildes und dessen Versteinerungen. Mit 7 nach der Natur gezeichneten Tafeln. Braunschweig: Oehme und Müller, 1837

Signatur Archivbibliothek: 4/C/2105

 

Pegram, Aaron: Surviving the Great War: Australian Prisoners of War on the Western Front, 1916-18. Cambridge: Cambridge University Press, 2020
[betr. verschiedentlich das Gefangenenlager für Offiziere in Holzminden, vgl. Index; S. 107-128 Chapter 5: "Challenging the Holzminden Illusion: The Myth and Reality of Escape"]

Signatur Archivbibliothek: 5/E/4674

 

Seidel, Anna: Souverän in Marmor: Carl I. - Geschichten eines Bildnisses. Braunschweig: Herzog Anton Ulrich-Museum, 2013 [betr. u. a. Erzeugnisse der Porzellanmanufaktur Fürstenberg]

Signatur Archivbibliothek: 3/I/7340

 

Tendenzen 28 (1987), Nr. 158 (April bis Juni) [darin S. 53-55 Specht, Franz: Der Holzstecher Robert Schanzenbacher]

Signatur Archivbibliothek: 7/SCHA/7110

 

Unterwegs im Landkreis Hameln-Pyrmont: Kultur, Natur und Geschichte entdecken! Holzminden: Jörg Mitzkat, 2019

Signatur Archivbibliothek: 2/E/3504

Absolventenvereinigung der HAWK Holzminden: Erweiterung des Depositums

Das von der AVH deponierte Schriftgut umfasst nicht nur Akten und Druckschriften des eigenen Wirkungskreises, sondern auch eine Sammlung von älteren Dokumenten zur Schulgeschichte. Hier das Titelblatt eines Führers für die (angehenden) Studenten aus dem Jahre 1926 (Stadtarchiv Holzminden: Dep. 1 Nr. 211).
Ebenfalls zu den älteren Dokumenten gehören Fotografien: hier der „Meisterumzug Sommersemester 1928“ (Stadtarchiv Holzminden: Dep. 1 Nr. 98).
Zum Schuljubiläum gab die damalige „Alt-Herren-Vereinigung“ eine „Tagungsplakette“ heraus, die von der Firma F. W. Assmann & Söhne, Lüdenscheid, geprägt wurde. Während das normale Abzeichen für die Teilnehmer aus „Aluminium altsilberfarbig“ hergestellt wurde, gab es besondere Exemplare für Ehrungen verdienter Persönlichkeiten aus „Messing vergoldet“ (Stadtarchiv Holzminden: Dep. 1 Nr. 291).

Schon Mitte der 1990er-Jahre übergab die Absolventenvereinigung der heutigen HAWK ihr älteres Schriftgut dem Stadtarchiv Holzminden. Rechtlich geschah dies in Form eines „Depositums“; die Unterlagen bleiben also im Eigentum des Vereins, werden aber im Stadtarchiv geordnet sowie aufbewahrt und stehen dort der allgemeinen Nutzung zur Verfügung.

In den vergangenen 25 Jahren wurde der ursprünglich übergebene Bestand immer wieder durch kleine Ablieferungen ergänzt. Anfang 2020 kam es zu einer quantitativ wesentlichen Erweiterung. Vor allem Unterlagen aus den Ortsgruppen Göttingen sowie Holzminden gelangten in das Stadtarchiv. Davon sind verständlicher Weise jene aus Holzminden von besonderer Bedeutung, stand man hier doch in enger Verbindung mit dem Hauptvorstand und der Schule.

Als Beispiel für die jetzt übergebenen Materialien seien die Unterlagen zur 125-Jahrfeier der vormaligen Baugewerkschule im Jahre 1956 vorgestellt. Neben allgemeinem Schriftwechsel gehören dazu auch die Unterlagen der Kassenführung. Aus ihnen ist detailliert zu ersehen, was seinerzeit von der Vereinigung alles aufgeboten wurde, um eine würdige Jubiläumsfeier zu garantieren. Aber nicht nur Schriftgut gehört zu dieser neuen Ablieferung. Auch die seinerzeit ausgegebenen Tagungsplaketten befinden sich darunter – und insbesondere die repräsentativen Sonderprägungen in „Messing versilbert“ sowie „Messing vergoldet“.

Für die Benutzer*innen des Bestandes dürften vor allem die zahlreichen Druckschriften interessant sein. Sie stammen nicht nur vom Verein, sondern auch von der Schule, von den dort existierenden Korporationen etc. Da ein Schularchiv nicht existiert – die Schule brannte 1945 völlig aus –, handelt es sich bei diesen Unterlagen um wichtige Quellen zu einer noch zu schreibenden Schulgeschichte.

Mit der Deponierung im Stadtarchiv soll die bleibende Sicherung dieser wichtigen Unterlagen der Holzmindener Stadtgeschichte gewährleistet werden. Dieser Weg steht auch anderen Vereinen offen! Bei entsprechendem Bedarf ist eine formlose Kontaktaufnahme möglich!

Literaturhinweis: Festschrift der Staatsbauschule und der Altherrenvereinigung der Staatsbauschule Holzminden. Holzminden 1956 (Stadtarchiv Holzminden: C.9 Nr. 34)

German Girls in Tewkesbury

Foto aus dem Gloucestershire Echo vom 16. Juli 1953; die Bildunterschrift lautet: „Capturing the last rays of the evening sun at Tewkesbury last night are these five German girls – in front Marget Bloom, Helga Hesse, Margarete Schroeter; behind: Baerbel Richter and Waltraud Buschmeir – five of a party of young people spending a 14-day holiday in Tewkesbury.“ (Stadtarchiv Holzminden: G.1 Nr. 162)
Ein weiteres Foto aus der Zeitung: „The Holzminden Youth Party with their Tewkesbury hosts and hostesses were the guests of the Tewkesbury Sea Cadet Corps on Monday evening when they went by river from Tewkesbury to Deerhurst.“

Die Schlagzeilen der Presse zu den Verbindungen zwischen Deutschland und Großbritannien kennen momentan nur ein Thema: den „Brexit“. Von politisch interessierten Kreisen auf beiden Seiten wird das Thema hochgekocht, und allgemein scheint es so, als gebe es nur noch Trennendes, aber nichts Verbindendes mehr zwischen uns. Bei ruhiger Betrachtung ist glücklicherweise festzustellen, dass dem keineswegs so ist, sondern dass viele Menschen auf beiden Seiten des Ärmelkanals sich ein gedeihliches Zusammenleben wünschen und sich dabei nicht durch Geschrei und Gezänk auseinander treiben lassen.

Da passt es gut, dass just zu diesem Zeitpunkt dem Stadtarchiv Holzminden eine Mappe mit dem Titel „Meine Englandreise“ geschenkt wurde. Sie stammt aus dem Jahre 1953 und schildert die persönlichen Eindrücke einer Teilnehmerin der Englandreise von Holzmindener Jugendlichen nach Tewkesbury in jenem Sommer. In die „große“ Geschichte eingeordnet, bedeutet dieser Zeitpunkt: wenige Wochen nach der Krönung von Elisabeth II., der noch heute regierenden Königin, und acht Jahre nach Beendigung des von Deutschland begonnen Zweiten Weltkrieges.

Leider finden sich im Stadtarchiv keine Akten zu den Hintergründen dieses Austausches. Vorbereitet wurde die Fahrt laut Zeitungsberichten von Kreisjugendpfleger Lüdecke, begleitet von Pastor Köhne und dessen Ehefrau.

Der handschriftliche Text ist mit zahlreichen Beilagen versehen: Zeitungsausschnitte, verschiedene Dokumente, Fotografien und Ansichtskarten. Berichtet wird über das während jedes einzelnen Tages absolvierte Programm. Dieses bewegte sich im üblichen Rahmen solcher Reisen, die vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen dienen. Abwechselnd wurden große Städte besucht (u. a. Worcester, Gloucester, Oxford, Cardiff) oder eine kleine Landpartie absolviert, man besuchte gemeinsam Veranstaltungen oder folgte einer (mal offiziellen, mal privaten) Einladung. Aus Sicht einer Schülerin wird über das „typische“ England berichtet: englischer Rasen, englisches Regenwetter, der Linksverkehr auf den Straßen, „ham and eggs“ zum Frühstück, die immer wieder gesungene Nationalhymne ...

„Wie gut verstanden wir uns mit den Engländern!!“ So lautet ein Fazit des Berichts. Nur wenige Jahre nach Kriegsende war das nicht unbedingt selbstverständlich, und vielleicht war es auch nicht von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet worden. Auf beiden Seiten gehörten ebenso eine gewisse Zurückhaltung wie auch der Wunsch, durch persönliche Begegnung an der Überbrückung bestehender Gräben mitzuwirken, zu den Voraussetzungen des Gelingens einer solchen Begegnung. Daran mahnend zu erinnern vermag diese nun dem Stadtarchiv geschenkte Mappe, für die auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei!

Karl Steinacker (Lithographie, 1845)

Porträt Karl Steinacker (Stadtarchiv Holzminden: HOL-Slg Akzession 9/2017)

Von ihren Anhängern enthusiastisch verehrt, von den Regierungen gefürchtet und verfolgt: die liberalen Politiker der Biedermeierzeit hatten kein leichtes Leben. Der hannoversche Verfassungsbruch durch den König (1837) war nur ein besonders herausgehobenes Beispiel für die vielfältigen Versuche, überkommene Vorstellungen aus absolutistischer Zeit am Leben zu erhalten.

Unter den allen politisch interessierten Zeitgenossen bekannten Politikern jener Jahre war auch ein Holzmindener: der in Altendorf/Holzminden geborene Jurist Karl Steinacker (1801 – 1847). Sein beruflicher Werdegang zeugt bereits von den Steinen, die einem staatlicherseits für „gefährlich“ gehaltenen Mann damals in den Weg gelegt wurden. Eine Anstellung im Staatsdienst wurde ihm verweigert, ebenso die obrigkeitliche Bestätigung seiner Wahl zum Bürgermeister von Holzminden. Welche politischen Ziele vertrat Steinacker? Er lehnte die Monarchie noch nicht grundsätzlich ab, forderte für sie aber einen konstitutionellen Rahmen. Pressefreiheit, Öffentlichkeit von Gerichtsverhandlungen, Abschaffung der Todesstrafe – was inzwischen längst Wirklichkeit geworden ist, waren zu seiner Zeit noch „unerhörte“ Forderungen fortschrittlicher Kräfte.

Das nun für das Stadtarchiv erworbene Porträt Steinackers wurde Anfang 1845 im „Archiv für Natur, Kunst, Wissenschaft und Leben“ (Erscheinungsort: Braunschweig) veröffentlicht. Neben Steinacker wurden dort auch Heinrich von Gagern sowie Johann Adam von Itzstein vorgestellt – ebenfalls überregional bekannte Liberale. Damit beabsichtigte die Zeitschrift, „einige jener deutschen Volksvertreter, welche durch ihr ehrliches, kräftiges Streben für konstitutionellen Fortschritt hervorleuchten, der allgemeinen Anerkennung näher zu führen.“

Karl Steinacker starb im April 1847. Die im Folgejahr ausbrechende Revolution 1848 erlebte er nicht mehr.

(Literaturhinweis: Scheel, Günter: Steinacker, Heinrich Friedrich Karl. In: Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 19. und 20. Jahrhundert, hrsg. v. Horst-Rüdiger Jarck u. Günter Scheel. Hannover 1996, S. 585–586)

Fotoalbum eines Arbeitsmannes und Soldaten, 1934/35

Einweihung des Holzmindener Thingplatzes, 22.9.1934 (Stadtarchiv Holzminden: S.1 Akzession 56/2016).
Aufmarsch des Arbeitsdienstes in Hildesheim: Zeltstadt auf der Schützenwiese.
Saarfeier am 1. März 1935 im Hindenburgstadion Hameln.

Wenngleich sich die Zuständigkeit des Stadtarchivs auf das Gebiet der Stadt Holzminden beschränkt (=„Archivsprengel“), finden sich dort auch Dokumente, welche andere Orte oder Regionen betreffen. Sie bezeugen überörtliche Beziehungen der Stadt, in ihr gelegener Institutionen oder hier lebender Personen. Theoretisch wären sie also in zwei verschiedenen Archiven „richtig“ einzuordnen – wo sie sich heute tatsächlich befinden, hängt zuweilen einfach nur von den Zufälligkeiten der Überlieferung ab. Umso wichtiger ist es, die Informationen darüber möglichst breit zu streuen. Wer erwartet schon in Holzminden Fotos aus Hameln und Hildesheim? Das im Folgenden vorgestellte Beispiel zeigt, weshalb solche hier durchaus archiviert sein können.

Es handelt sich um ein über das Internet angebotenes Fotoalbum mit mehr als 150 Aufnahmen, welches für das Stadtarchiv erworben werden konnte. Erfreulich ist die Tatsache, dass das Album nicht zerfleddert und sein Inhalt einzeln verhökert wurde, sondern dass es in seiner historisch gewachsenen Vollständigkeit erhalten blieb.

Das Album stammt aus dem Vorbesitz eines leider unbekannten Arbeitsmannes, der seinen Dienst 1934 in Holzminden absolvierte. Es wurde von diesem weitergeführt im anschließenden, nach freiwilliger Meldung in Hameln angetretenen Wehrdienst.

Die Möglichkeit, in Holzminden für den Arbeitsdienst ein geeignetes Lager einrichten zu können, ergab sich durch die Fertigstellung des neuen Evangelischen Krankenhauses am Forster Weg 1933. Dadurch wurde das bisherige (städtische) Krankenhaus am Hafendamm frei. Anfang August wurden hier 216 Mann aus den bisherigen Lagern im Kreisgebiet zusammengezogen und bildeten die Abteilung 1/185, welche ab 1935 den (Phantasie-)Namen „Ernst August von Everstein“ führte.

Als „Symbol des neuen nationalsozialistischen Staates“ wurden die Männer u. a. zur Erschließung von Siedlungsgelände in den Bereichen Grimmenstein, Weiße Breite sowie Kapellenbrink eingesetzt. Andere waren im Solling mit dem Bau von Forstwegen beschäftigt. Im Sommer 1934 kam in Holzminden eine andere Aufgabe hinzu: der Bau des Thingplatzes. Er ist besonders gut durch Fotos dieses Albums dokumentiert.

Eingeklebte Ansichtskarten im Album zeigen bekannte Motive aus Holzminden. Sie besitzen geradezu touristischen Charakter. Interessanter jedoch sind die privaten Aufnahmen von Arbeit und Freizeit der Arbeitsmänner. Leider wissen wir nicht, ob sie vom Vorbesitzer selbst aufgenommen wurden oder eine Zusammenstellung der Aufnahmen von Kameraden sind. Bezogen auf den Inhalt spielt diese Frage allerdings keine wichtige Rolle. Der Wert des Albums liegt in der reichhaltigen Dokumentation des (damals noch freiwilligen) Arbeitsdienstes in Holzminden. Gleiches gilt bezogen auf Hameln angesichts der Militärzeit während der folgenden Monate.

(Literaturhinweis: Matthias Seeliger: „Aus der Lagergemeinschaft zur Volksgemeinschaft“: Arbeitsdienstlager in Holzminden. In: Jahrbuch für den Landkreis Holzminden 32 (2014), S. 57–76; ders.: Aus der Bildsammlung des Holzmindener Stadtarchivs: Erinnerungen an die Arbeitsdienstzeit in Holzminden, 1934. In: ebd. 35/36 (2017/2018), S. 153–170)